Wundervolle Nacht auf Mittelstreifen der BAB 10. Es fühlte sich zumindest so an. Nichts desto trotz war der Zeltplatz ausgestattet mit allem Komfort. Liegewiese, Feuerstelle und Naturwaschplatz. Zudem bot er den Vorteil der Blickdichte gegenüber der amüsierwütigen einheimischen Brut.

Die Nacht verlief laut. Dementsprechend gerädert am Morgen. 4:50 Uhr war Raustreten zum Fahnenapell. Ihr merkt schon, wir versuchen unseren üblichen Zeitplan wieder zu finden.

Das Frühstücksbuffet hielt einige Besonderheiten bereit.

Die Strecke entlang des Havelkanals war sehr angenehm in der noch vorhandenen morgentlichen Frische.

Wir befinden uns zwar prinzipiell auf dem selben Weg wie vor 2 Jahren, allerdings mit einem Zeitversatz von ca. 3 bis 4 Stunden. Es ist für uns sehr erstaunlich, wie sich allein durch diese Phasenverschiebung vieles verändert ergibt. Ihr könnt Euch vorstellen was es bedeutet, wenn die einzige Kneipe entlang des Weges noch geschlossen hat und auch auf Nachfrage nicht gewillt ist uns wenigstens ein Bier zu verkaufen. Nun ja, trinken wir halt unsere Schubkarre leer und kommen so auch schneller voran.

Die verlockenden Angebote der örtlichen Hoteliers konnten wir leider nicht annehmen, auch wenn die Ferienhäuser mit Außen-WC sehr einladend aussehen.

Ungeahnt war in Kremmen auf dem Marktplatz ein herzlicher Empfang vorbereitet ohne dass unser Eintreffen bekannt war. Vor dem Cafe am Rathaus begrüßte uns eine äußerst wissbegierige und freundliche Stadtjugendgruppe (70+), welche bei Sekt und Kaffee die aktuellen Lokal-News auswerteten. Einer freundliche Offerte am benachbarten Kindertisch mit platz zu nehmen entsprachen wir gern. Es entspannen sich auch hier herrlich-lustige Plauderein. Kuno durfte sich noch die Lebensgeschichten von Wanderungen ganz anderer Art anhören. Es war vor kurzem der Tag der Zeitzeugen und wir haben hier die Gelegenheit uns beeindruckende Vertriebenen-Geschichten anzuhören.
Leider können wir nicht mehr bis zum Tanztee bleiben, auch um keine Erwartungen zu wecken, welche wir (aufgrund der Zeit) nicht halten können. Gerade in diesem Moment, wo ich das tippe, wird uns von der Kellnerin auf Geheiß einer Dame aus der Gruppe 70+ ein Sektchen gebracht. Die Welt ist tatsächlich abgefahren.

*Anmerkung der inhaltlich Verantwortlichen gemäß Telemediengesetz: O-Ton Kellnerin: „Sie müssen entschuldigen, wir haben nur noch warmen Piccolo. Die Damen sind schuld.“

Wenn Netz im Wald vorhanden ist, werden wir noch ein Update einstellen.

Also: Es ist Netz im Wald vorhanden.

Wir überquerten den Kremmener Damm (ihr wisst schon, die Schlacht vom Kremmener Damm 1412) Richtung Sommerfeld. In Sommerfeld haben wir noch einen gehopften Notgroschen eingesackt. In Beetz verwöhnte uns der Dorfbäcker mit köstlich-frischem Rhabarbara-Kuchen und danach ab in den Beetzer See zur dringend notwendigen Entsalzung der Kadaver. Herrlich! Wassertemperatur erstaunlich hoch. Der Notgroschen wurde sofort aufgebraucht und frisch geföhnt ging es weiter durch die Rüdnicker Heide.

Hänsel und Gretel hätten hier keine Chance gehabt, denn selbst so eingefleischte Wandersburschen wie unsereiner, denen die Sonne den gesamten Tag über das Brötchen im Schädel weichgekocht hat, entkamen der Heide nur mit Mühe.
In Rüdnick schnell nochmal die Bäuche gefüllt und dann ab durch die Mitte zur Schlafstelle.

Heute stehen wieder 47,5 km auf der Uhr. Dafür, daß die letzte Nacht nicht gerade erholsam war, sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

 

2 Kommentare

  1. bettina / sfd

    …. upps, hattet ihr nicht von anfang an aufs sektchen der damen spekuliert? ;-)) hoffe ihr habt den weg nach lindow durch den forst gefunden und könnt noch in einen der lindower seen springen. beste grüße, bettina vom kindertisch / btw, rasen ist gemäht, zig schubkarren schadlos übers anwesen gefahren

    1. Plamen (Beitrag Autor)

      Das wir Sekt von Damen spendiert bekommen, ist schön ein paar Dekaden her. Um so mehr fühlen wir uns „Gebauchmietzelt“ ;-). Es hat uns sehr gefreut auch an Kindertisch einfach klasse Menschen kennenzulernen. Grüße Plamen und Kuno

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