Tag 2 Grillenburg – Augustusburg

Der Tag war jünger als wir selbst. 4:42 Uhr entschied sich Kuno nach dem allgemeinen Befinden zu fragen. 4:43 Uhr kam eine zögerliche Antwort. 4:44 Uhr wurden die leicht feuchten Daunen aufgeworfen. 5:12 Uhr war Aufbruch bei Gesamtkilometer 17. Einer Waldautobahn, mit klaren Sichtverhältnissen bis Kilometer 26, folgend erreichten wir erst Betriebstemperatur und dann den Mittelpunkt der Erde, eh Quatsch von Sachsen.

Wir entledigten uns den Mützen und Handschuhen und wuschen die Nacht aus den Gesichtern. Informationen aus dem internationalen Zwischennetz verhießen baldiges Bäckerglück in Hilbersdorf. Der Bäcker hatte sein Handwerk in vorauseilenden Gehorsam schon vor dem Jahre 2020 niedergelegt. Kurzum pflanzten wir unsere hungrigen Kadaver auf eine sonnenbeschienene Parkbank und zerrten aus unseren Vorräten. Ein erster Mittagsschlaf war um 8:00 Uhr für den üblichen Teil der Wandergruppen von Nöten.

Weit ausschreiten durchschritten wir die Hinterlassenschaften der Montanregion um Muldenhütten. Wir wissen nun wo Hempels Sofa steht. Wir umkreisten Freiberg im Uhrzeigersinn auf tangierenden Radwegen bis zu einem beschaulichen Tante-Emma-Laden der Kaufland-Kette. Die Tender wurden aufgefüllt, der Koffein-Bedarf gedeckt, der Magen überfüllt (Goldbroiler, Backwerk, Orangensaft, Müller-Milch). Notwendige Hygienie-Maßnahmen wurden im Kunden-SPA mehrfach absolviert.

Den Freiberger Stadtwald durchschreitend tangierten wir Brand-Erbisdorf und ergötzten uns an der vom Frühling durchsetzen Landschaft. Die Wasserqualität des Schwarzen Teiches wurde durch uns nachhaltig beeinträchtigt. Egal, wir sind wieder frisch! Körperkultur hat seinen Preis. Die Ausrüstung wurde dehydriert und wieder ordnungsgemäß im LeiWaRu verstaut.

Frisch an Körper und Geist, schlenderten wir durch blühende Landschaften. Wir kamen nach Gahlenz. Der Ort fiel sofort positiv auf. Pittoreskes Erzgebirgsvorland mit freundlichen Ureinwohnern und Eisdiele Specht (immer einen Pick voraus).

Mit Schoko- und Kokusgeschmak auf der Zunge hangelten wir uns das Tal der großen Lößnitz entlang. Auf unserem Weg nach Augustusburg lud eine hölzerne Hausbrücke zur Überquerung der Flöha ein.

Kurz vor Augustusburg fragten wir einen Dahergelaufenen nach dem Weg zum örtlichen Lebensmitteldealer. Nach kurzem Erwärmungsgeplänkel fragte er nach unserer Bettstadt für diese Nacht. Die Antwort: Wald und Zelt, veranlasste ihn zu einer Empfehlung: Kunnerstein die Bastei des Erzgebirges. Hier muss sich der glückliche Wandernde der Entscheidung stellen, zwischen einer Höhle und einer Schutzhütte mit krassen Bellevue über das tiefe Tal der Zschopau.

Der Sonnenuntergang war den Abbildungen des Reiseprospektes ebenbürtig. Wir gönnten uns jeder einen Liter Wasser in dem sonst trockenen SPA-Bereich. Eine plötzlich auftauchende Touristin hielt das Spektakel auf Polaroid fest. Ich denke und den Stichworten „Adonis“ und „Natur-Burschen“ findet ihr diese Aufnahmen sicher im internationalen Zwischennetz. Der kulinarische Abend klang aus mit internationalen Salatvariationen an Hopfenkaltschale.

Nach kurzer Rücksprache mit unsern meteorologischen Obmännern, müssen wir feststellen, dass wir die Steigeisen und Eispickel vergessen haben. Aus diesem Grund haben wir für Montagabend (prognostiziert sind 7 mm Niederschlag und 0 Grad Celsius) eine dienstliche Übernachtung gebucht. Schauen wir mal, was passiert. Das Bett ruft nach 48,8 Tageskilometern auf und ab, bis morgen.

2 Kommentare

  1. Uli

    Schöne Zeit … Übersteht die hereinbrechende Kälteperiode gut! „DaumenHoch“ Gruß Uli

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  2. Kosse

    Moin ihr zwei, wo steckt ihr denn jetzt, in Augustusburg? Oder seid ihr weiter, mit freiem Oberkörper vlt.? Soll ich euch abholen 🙂 ?

    Gruß Kosse

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