22.09.2014, Durch das Álggavágge

Die Nacht war stürmisch und kalt. Ein Blick aus dem Fenster der kleinen Skárjá-Schutzhütte zeigt uns, dass über Nacht ein paar Zentimeter Schnee gefallen sind. Es reicht noch nicht ganz, um die kleinen Beerensträucher auf dem Boden vollständig zu bedecken. Noch kann man die Pfade vor der Hütte daran erkennen, dass dort der Schnee höher liegt als auf dem Gelände daneben. Aber der dicht bewölkte Himmel verheißt nichts Gutes.

Nur gut, dass ich am Abend zuvor noch ein paar Beeren gesammelt habe. So können wir unser Frühstücksmüsli ein wenig aufpeppen. Bevor wir aufbrechen, nutzen wir die Möglichkeit, über das Notfall-Telefon der Schutzhütte aktuelle Informationen einzuholen. Alex gibt unsere geplante Route durch und erkündigt sich nach dem Wetterbericht für die nächsten Tage. Die hilfsbereite Frau am anderen Ende der Leitung gibt bereitwillig Auskunft. Laut Prognose soll sich der Himmel im Laufe des Vormittags aufklären. Sie teilt uns mit, dass wir ein Zeitfenster von drei Tagen haben, bevor das Wetter wieder deutlich schlechter wird. Drei Tage… wir werden versuchen, die Fjällstation in Staloluokta in dieser Zeit zu erreichen.

Wir machen uns auf den Weg und verlieren den Pfad schon nach ein paar Minuten immer wieder aus den Augen. Eigentlich kein Problem, denn die Richtung ist klar. Verlaufen kann man sich also nicht. Aber abseits der Pfade ist man langsamer unterwegs und die Fortbewegung kostet mehr Kraft. Wir folgen dem Fluß Guohperjåhkå ungefähr 8 Kilmeter nach Westen, bis wir das Álggavágge erreichen. Um in das Tal zu gelangen, müssen wir zuerst den Guohperjåhkå überqueren. Nach kurzer Suche finden wir im steinigen Bachbett Stellen, die flach genug sind, um die einzelnen Arme des Flusses trockenen Fußes zu überqueren. Der Eingang zum Álggavágge wird von einem Rentierzaun versperrt. Es dauert ein paar Minuten, bis wir den Durchgang gefunden haben.

Das Álggavágge gilt als eines der schönsten Täler des Sarek – völlig zu recht, wie ich finde. Der Wetterbericht war korrekt, im Laufe des Tages klart es immer mehr auf. Die Sonne und der blaue Himmel bilden einen schönen Kontrast zu den wie mit Schnee gepuderten Hängen des Tals. Der Schnee reicht hier noch nicht bis zur Talsohle. Wir folgen dem Álggavágge der Länge nach, bis wir ungefähr die Hälfte der Strecke absolviert haben. Am späten Nachmittag suchen wir uns einen geeigneten Platz zum zelten. Gegen Abend wird es merklich kühler und sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird es sehr kalt. Trotz Minusgraden verkriechen wir uns nicht sofort ins Zelt. Seit der Nacht am Njunjes vor 6 Tagen wissen wir, worauf wir achten müssen und wir deuten die Zeichen richtig. Uns erwartet wieder ein schönes Schauspiel am Nachthimmel. Innerhalb kurzer Zeit nimmt die Intensität der Leuchterscheinung schnell zu und wir bekommen noch einmal Nordlichter zu sehen. Ich bringe Kamera und Stativ in Stellung und wir stehen trotz der Kälte noch lange in der Nacht und geniessen den Anblick der Polarlichter.

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