20.09.2014, Rapaselet & Låddebákte

Der Morgen begrüßt uns mit Nebel & Nieselregen. Wir packen unsere Ausrüstung zusammen und machen uns wieder auf den Weg. Schon ein paar Minuten später stehen wir vor einem Bach mit mehreren Seitenarmen. Der Bach führt ziemlich viel Wasser und wir sehen keine Möglichkeit, trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen. An einigen Stellen liegen zwar größere Steine oder Äste, die als Steg dienen könnten, aber bei näherer Betrachtung sieht nichts davon sonderlich vertrauenserweckend aus. Nachdem wir eine halbe Stunde damit verschwendet haben, eine Möglichkeit zum Überqueren zu suchen, wechseln wir die Schuhe und furten den Bach. Schnell und einfach. Und ziemlich erfrischend.

Wir nähern uns dem Rapaselet, dem zweiten Delta des Ráhpaädno. Das Rapaselet war einst ein See, der im Lauf der Zeit mit Gletscherschlamm zugesetzt wurde. Diese Gegend ist für ihren Artenreichtum bekannt. Hier werden häufig Elche beobachtet. Es wird berichtet, dass hier Spuren von allen vier Raubtieren gefunden wurden, die im Sarek leben: Bär, Vielfraß, Luchs und Polarfuchs. Wir bekommen leider keine Tiere zu Gesicht. Wahrscheinlich müsste man mehrere Tage an diesem Ort bleiben und sich Morgens und Abends auf die Lauer legen, um einige Tiere beobachten zu können. Auch wenn das Wetter inzwischen herbstlich daherkommt und die Birken und Weiden im Rapadalen bunt gefärbt sind, so ist noch viel Laub auf den Bäumen und die Tiere können sich problemlos im Dickicht verstecken.

Der feine Nieselregen stört uns nicht im Geringsten und die Sonne lässt sich immer wieder kurz blicken. Auf der Nordseite des Rapaselet liegen mehrere Seen. Claes Grundsten schreibt in seinem Wanderführer „Sarek – Trekking in Schweden“, dass sich der Pfad vor den Skoarkkijávrátja-Seen teilt. Der höher gelegene Pfad verläuft nördlich der Seen durch dichtes Gestrüpp. Grundsten empfiehlt, auf dem Weg durch das Delta den unteren Pfad in Flussnähe zu nehmen, da man dort wesentlich einfacher voran kommt und eine gute Chance hat, Wild oder Vögel zu beobachten. Das dichte Gestrüpp im Rapadalen haben wir bereits ausgiebig kennengelernt. Wir sind uns einig, dass wir den unteren Weg nehmen wollen. Es kommt anders.

Irgendwann lichtet sich das Gestrüpp am Wegesrand und wir haben freien Blick auf den ersten See. Das wir uns auf dem falschen Pfad befinden haben wir schon geahnt, als dieser allmählich einige kleinere Anstiege hinauf führte. Nun ist es offensichtlich, dass wir den Abzweig verpasst haben. Im Wanderführer steht, dass der Weg stellenweise nur undeutlich zu erkennen ist und dass man ihn leicht aus den Augen verlieren kann. Verloren haben wir den Pfad diesmal nicht, aber der Abzweig zum leichteren Alternativweg ist uns entgangen. Umkehren hat keinen Sinn, dafür sind wir schon zu weit gekommen. Irgendwo auf der anderen Seite des Sees muss der untere Pfad in Flussnähe verlaufen. So bleibt uns nur der anstrengendere Weg durch hügeliges Gelände und dichtes Gebüsch.

Gegen 15 Uhr erreichen wir die Skårki-Hütte unterhalb des Låddebákte. Die rote Blechhütte Baujahr 1914 ist eine von mehreren alten Sarek-Hütten Axel Hambergs. Der schwedische Mineraloge und Geograf verbrachte 37 Jahre lang jeden Sommer im Sarek. Ihm ist es zu verdanken, dass der Sarek im Jahre 1909 zum Nationalpark erklärt wurde.

Wir hatten ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, dem Ráhpaädno um den Låddebákte (den „steilen Vogelberg“) herum zu folgen. Nur wenige Wanderer wählen diese Route. Hier hat man gute Aussichten, Elche aus nächster Nähe zu sehen. Dafür muss man sicher allerdings durch dichtes Gestrüpp vorwärts kämpfen. Von Gestrüpp haben wir erstmal genug. Wir sind uns einig, dass wir stattdessen den Weg über das Hochtal Snávvávágge nehmen. Dafür müssen wir allerdings den Låddebákte hinauf, doch den steilen Anstieg nehmen wir in Kauf. Damit schleppen wir unsere Ausrüstung nun zum dritten Mal einen Berg hinauf. Rein rechnerisch müssten unsere Rucksäcke inzwischen ein paar Kilo leichter sein, als am Anfang der Tour. Aber die vergangenen Tage haben natürlich auch Kraft gekostet.

Der Aufstieg ist anstrengend, aber die Blaubeersträucher am Wegesrand sorgen immer wieder für kleine Motivationsschübe. Der Weg hinauf wird unterbrochen vom ziemlich steilen Einschnitt des Baches Jilájåhkå. Die Überquerung des Baches selbst ist kein Problem, aber die wenigen Meter hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf sind schwierig und erfordern hohe Konzentration. Gegen 18 Uhr erreichen wir den ersten kleinen Bergsee des Snávvávágge und suchen uns am Hang des Låddebákte eine möglichst geschützte Stelle für Zelt und Tarp.

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